Homogenbereiche nach VOB/C und Baugrund(-risiko): Hintergründe und Umgang

Homogenbereiche nach VOB/C und Baugrund(-risiko): Hintergründe und Umgang

Fast jedes Bauprojekt hat sich mit dem Boden/Baugrund und den Wechselwirkungen zwischen Baugrund und Bauverfahren zu beschäftigen. Viel zu oft verwirklicht sich in der Praxis an genau dieser Schnittstelle das sogenannte Baugrundrisiko mit der Folge von Störungen des Bauablaufs und nachfolgenden Rechtsstreitigkeiten. Blaupausen und Checklisten, wie mit dem Baugrundrisiko umzugehen ist, gibt es nicht. 
Daher ist es umso wichtiger, aus den Erfahrungen der Praxis zu lernen und sie im eigenen Arbeitsalltag umzusetzen.

Eine gründliche und umsichtige Planung ist und bleibt die Grundlage für die Vergabe von Planungs-, Bau- und Montageleistungen und stellt die notwendige Voraussetzung für einen störungsfreien und wirtschaftlichen Bauablauf dar. Dabei kommt der ATV DIN 18300, deren Abschnitt 2.3 mit „Einteilung von Boden und Fels in Homogenbereiche“ überschrieben ist, entscheidende Bedeutung zu. 
Das Seminar führt daher zunächst in die Norm und den Umgang mit ihr ein. 

  • Wie ist Boden und Fels entsprechend seinem Zustand vor dem Lösen in Homogenbereiche einzuteilen, und was ist ein Homogenbereich? 
  • Hat sich die Zusammenarbeit zwischen Planer und geotechnischem Sachverständigen zu ändern, und wenn ja, wie? 
  • Welche Fachkompetenzen sind bei Auftraggeber und -nehmer erforderlich geworden? 
  • Unsere Referenten beleuchten und beantworten diese Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. 

Jedoch auch bei sorgfältiger Planung, Baugrunderkundung und Auswahl des Vertragsmodells für die Bauausführung kann sich das sogenannte Baugrundrisiko verwirklichen. Dies geschieht oft ohne Verschulden eines Vertragspartners, zum Beispiel, wenn die tatsächlich angetroffenen von den beschriebenen Baugrundverhältnissen abweichen oder wenn Wechselwirkungen zu den Bauverfahren falsch eingeschätzt wurden. 

Wie ist technisch, baubetrieblich und vertragsrechtlich zu reagieren? 

Unsere Referenten geben Ihnen hier wertvolle Praxishinweise aus unterschiedlichen Blickwinkeln: aus Auftraggebersicht, Auftragnehmersicht und aus Sicht der Juristen.

Ziel des Seminars

Das Seminar vermittelt den Umgang mit dem Baugrundrisiko. Aufbauend auf den normativen und rechtlichen Grundlagen, hier insbesondere der ATV DIN 18300 „Homogenbereiche“, wird dargelegt, wie in der Praxis Auftraggeber, Auftragnehmer und Juristen aus ihrem spezifischen Blickwinkel mit dem Baugrundrisiko umgehen.

Durch den Erfahrungsaustausch „aus der Praxis für die Praxis“ werden Sie in die Lage versetzt, Ihre spezifischen Aufgabenstellungen aus Ihrem Arbeitsalltag im Umfeld des Baugrundrisikos optimal anzugehen.

Qualitätssiegel

Das Qualitätsmanagementsystem der Technischen Akademie Esslingen
ist nach DIN EN ISO 9001 und AZAV zertifiziert.

Target Audience

Führungskräfte und Mitarbeiter in ihrer Funktion als Auftraggeber, Auftragnehmer und Planer, die in ihrer täglichen (Projekt-) Arbeit mit dem Thema Baugrund in Berührung kommen

Topics

1. Homogenbereiche nach VOB/C und Baugrundrisiko – neue interdisziplinäre Herausforderungen (R. Katzenbach)

  • die bestimmenden Eigenschaften und maßgeblichen Kenngrößen von Boden, Fels und Grundwasser inklusive Kontamination
  • Bodenklassifikation nach DIN 18196
  • Bodeneigenschaften und Bodenkennwerte, die nach DIN 18300:2015-08 Grundlage zur Festlegung der Homogenbereiche sind
  • Änderung in den baugrundbezogenen ATVen der VOB/C
  • Vier-Augen-Prinzip in der Geotechnik
  • Prüfungs- und Hinweispflicht
  • Abgrenzung Baugrundrisiko

2. Erfahrungen mit Homogenbereichen im Tunnelbau (M. Wunderle)

  • Definitionen eines „Homogenbereichs“ im Tunnelbau nach ZTV-Ing. Teil 5
  • Unterschiede zur Definition in der neuen DIN 18300
  • Beispiele für Homogenbereiche in Tunnel-Ausschreibungen
  • Unterschiede zur Definition in der neuen DIN 18300
  • mögliche vertragliche Auswirkungen in der Tunnelbaupraxis

3. Homogenbereiche im Schwarzjura und Grundwasser als Bestandteil des Baugrund(-risiko)s anhand von Projektbeispielen (B. Rilling)

  • Homogenbereiche im Schwarzjura alpha und Anforderungen an die Baugrunderkundung
  • Erfassung der Grundwasserverhältnisse bei der Baugrunderkundung
  • wasserrechtliche Randbedingungen
  • Bemessungswasserstand und bautechnische Berücksichtigung
  • Risiken bei gespanntem Grundwasser und technische Lösungen
  • Beobachtungsschwerpunkte beim Bauen

4. PPP-Infrastruktur – 30jährige Nutzungsdauer und die damit zusammenhängenden Konsequenzen für die Planung (J. Ludewig)

  • Besonderheit der ÖPP-Projekte
  • Identifikation und Bewertung von Risiken und deren Auswirkungen
  • Laufzeiten von Mängeln
  • Risiken im Bereich des Baugrunds
  • Maßnahmen und Möglichkeiten zum Beherrschen der Baugrundrisiken
  • Möglichkeiten und Grenzen der Qualitätssicherung und -optimierung 

5. Strukturelle Hindernisse im Umgang mit dem Baugrund(-risiko) (C. Gipperich)

  • deutsches Vergaberecht, Vergabe nach dem Billigstprinzip 
  • Infrastrukturprojekte, U4 HafenCity Hamburg
  • Beherrschung von Baugrundrisiken
  • unvermeidbare und vermeidbare Mehrkosten
  • partnerschaftliche Vertragsmodelle

6. Kalkulation und Ausschreibung beim Tunnelbau (R. Bartsch)

  • Besonderheiten der Ausschreibung und der Kalkulation im Tunnelbau
  • Baugrund als maßgebliches Risiko im Tunnelbau und die Folgen für Ausschreibung und Kalkulation
  • praktische Beispiele zum Umgang mit dem Baugrundrisiko in Ausschreibung und Kalkulation
  • sachgerechter Umgang mit dem Baugrundrisiko im Rahmen der Ausschreibung und Kalkulation

7. Praktische Anwendung – vertragsrechtliche Lösungen zum Baugrund(-risiko) (R. Kohlhammer)

  • Grundlagen einer fairen Vertragsgestaltung
  • AGB-rechtliche Beschränkungen
  • variabler Baugrund im Tunnelbauvertrag
  • Pufferregelungen
  • Störfallkataloge im Tunnelbau
  • Baugrundrisiko beim Sondervorschlag
  • partnerschaftliche Vertragsmodelle

8. Die obergerichtliche Rechtsprechung zum Baugrund(-risiko) (R. Kohlhammer)

  • Wer trägt das Baugrundrisiko?
  • Risikoübertragungsklauseln auf den anderen Vertragspartner 
  • klare bzw. unklare Leistungsbeschreibungen
  • frivole Auftragnehmer

Teilnahmegebühr

Die Kosten betragen pro Teilnehmer EUR 980,00(MwSt.-frei), inklusive aller Extras.

Weitere Referenten finden Sie hier.

Speaker

Dr. Rainer Kohlhammer

Zur Anmeldung über den Veranstalter