Interview Dr. Kilian K. Eßwein

Dr. Kilian K. Eßwein - Interview

Dr. Kilian K. Eßwein
Rechtsanwalt, Partner im Bereich Compliance

"Ich startete Mitte 2013 als Associate im Bereich Corporate/ Litigation – mittlerweile leite ich als Partner die Praxisgruppe Compliance."

 

 

 

Nach Studium in Regensburg und Sheffield, UK, sowie Referendariat in München mit Stationen in Großkanzleien folgte zunächst die Promotion in München. Mein Ziel war lange, die Noten für die Großkanzlei zu bekommen und dort zu starten – es schien mir das Nonplusultra des Anwaltsberufs. Noch im Referendariat hatte ich mich bei einer der TOP-Großkanzleien verpflichtet. Nach Fertigstellung der Dissertation verlief der Start in der Großkanzlei anders als erwartet und ich bekam so die Chance, den Anwaltsberuf und die Frage, in welchen Kanzleien man ihn wie ausübt, genauer zu reflektieren. In dieser Phase wurde ich – glücklicherweise – auf LUTZ | ABEL aufmerksam gemacht. Meine Sorge, dass man in mittelständischen Kanzleien weniger Spannendes zu sehen oder gar eine weniger fundierte Ausbildung bekommt, wurde zerschlagen.

Ich startete Mitte 2013 als Associate im Bereich Corporate/Litigation und habe von Anfang an eine hervorragende Ausbildung durch ausgezeichnete Kollegen und Partner genossen. Zwischenzeitlich kamen weitere Tätigkeitsfelder hinzu. Mittlerweile leite ich die Praxisgruppe Compliance. 2019 wurde ich zum Partner ernannt.

 

Wie kam es, dass Sie Ihre eigene Praxisgruppe aufgebaut haben?

Zum einen gab es die Praxisgruppe Compliance damals noch nicht, und ich habe im Rahmen vieler Mandate gesehen, dass durchaus Bedarf für diesen speziellen Beratungsansatz besteht. Hinzu kommt, dass ich in Managerhaftungsfällen oft den Vorwurf sehe, meine Mandanten hätten es mit der Compliance nicht ernst genug genommen.

Bei LUTZ | ABEL bekommen engagierte Kollegen von Anfang an die Chance, etwas eigenes aufzubauen – das zeigt sich in ganz vielen, kleinen Dingen. Jeder Anwalt muss über kurz oder lang seine Nische finden und für mich war es – sozusagen als Gegenstück zur Vertretung von Managern – die Compliance-Beratung. Ich bekomme viel Unterstützung und auch wenn es noch viel zu tun gibt, sind wir auf einem guten Weg.

 

Sie waren zwischenzeitlich in einer Konzernrechtsabteilung. Was waren die Beweggründe, wieder in einer Rechtsanwaltskanzlei zu arbeiten?

Ich war in einem sehr spannenden, großen Unternehmen, und dennoch: Recht schnell fehlte mir die Flexibilität und vor allem die Visibilität. Für junge Kollegen, die gestalten und vorankommen wollen, ist eine große Rechtsabteilung häufig eher entmutigend. Daneben gibt es noch andere Aspekte: Freilich brauchen Unternehmen gute Juristen – es geht dort inhouse aber oftmals um das Finden einer pragmatischen Lösung. Die komplexen, kniffligen Fälle, die gehen in der Regel an die Kanzleien – schon aus Haftungsgründen. Das sind die Fälle, an denen ich gerne arbeite.

 

Haben Sie Tipps für Berufseinsteiger?

Der Wettkampf um die wenigen guten Juristen hält an. Berufseinsteiger sollten die Chance nutzen und sich genau überlegen, was sie wollen. Bei mir hat letztlich auch der Wunsch nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance und einer realistischen Perspektive dazu beigetragen, dass ich mich gegen die typische Großkanzlei und die dortigen Strukturen entschieden habe. Was mich immer wieder erstaunt (dabei war ich selbst wahrscheinlich kaum anders): Absolventen suchen viel zu wenig das Gespräch mit älteren Kollegen – dabei kann man da die besten Denkanstöße bekommen.

 

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