Die Weltraumsicherheitsstrategie der Bundesregierung – 35 Milliarden Euro für öffentliche Aufträge im Bereich der militärischen Raumfahrt

Maximilian Kretschmann

Die Weltraumsicherheitsstrategie der Bundesregierung bedeutet für Start-Ups, Scale-Ups und KMU eine erheblich gesteigerte Nachfrage an Raumfahrtleistungen in den Bereichen Kommunikation, Aufklärung, Sensorik und Launcher. Raumfahrtaufträge werden im Rahmen wettbewerblicher Verfahren vergeben.

29.04.2026 | Vergaberecht

Die Bundesregierung hat am 19. November 2025 als Reaktion auf ihre Erkenntnisse aus dem völkerrechtswidrigen Überfall Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 ihre erste Weltraumsicherheitsstrategie beschlossen. Diese steht in einem engen Zusammenhang mit ihrer nationalen Sicherheitsstrategie und ihrer Raumfahrtstrategie.

I. Relevanz der Weltraumsicherheitsstrategie für Unternehmen

Die Weltraumsicherheitsstrategie zeigt, in welche Fähigkeiten der militärischen Raumfahrt und Weltraumsicherheit das Bundesministerium der Verteidigung 35 Milliarden Euro bis 2030 investieren will. Hierbei spielt die Vergabe öffentlicher Aufträge für Raumfahrtleistungen eine Schlüsselrolle.

Die Bundesregierung begreift die Raumfahrt als Infrastruktur. Unter dem Begriff „Weltrauminfrastruktur“ versteht sie alle funktional mit Betrieb, Nutzung, Schutz und Verteidigung von Weltraumsystemen verbundenen terrestrischen und orbitalen Infrastrukturen und Einrichtungen, wie zum Beispiel Satelliten, Bodenstationen, Kontrollzentren, Überwachungssensoren, Weltraumbahnhöfe und zugehörige Datenverarbeitungs- und Kommunikationsanlagen.

Sie differenziert hierbei zwischen sicherheitsrelevanten und nicht sicherheitsrelevanten Weltrauminfrastrukturen und -systemen. Sicherheitsrelevante Weltrauminfrastrukturen und -systeme sind solche, die von staatlichen Akteuren unmittelbar genutzt werden oder von hoher Relevanz für die Verteidigung sowie für das Funktionieren von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft sind.

Sicherheitsrelevante Weltrauminfrastrukturen und -systeme werden der verteidigungsrelevanten Infrastruktur zugeordnet und sollen auf Grundlage des KRITIS-Dachgesetzes zukünftig als kritische Infrastruktur im Sektor Weltraum erfasst werden.

Kern der Strategie ist der Aufbau einer nationalen Weltraumsicherheitsarchitektur in enger Abstimmung mit den Verbündeten der NATO, den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und der ESA sowie internationalen Partnern zum Schutz der sicherheitsrelevanten Weltrauminfrastruktur.

Zwar soll die europäische und internationale Kooperation im Bereich der Weltraumsicherheit vertieft werden. Allerdings soll diese Kooperation komplementär zum eigenen Fähigkeitsaufbau erfolgen. Eigens aufgebaute Fähigkeiten sollen dann wiederum in die europäischen und alliierten Strukturen integriert werden – ohne hierbei Parallelstrukturen zu schaffen. 

So plant die Bundeswehr beispielsweise die Errichtung einer Satellitenkonstellation für ein sicheres weltraumgestütztes Internet – unabhängig von der privaten Satellitenkonstellation Starlink und der sich im Aufbau befindlichen IRIS²-Satellitenkonstellation der Europäischen Union. Ob dies mit dem in der Weltraumsicherheitsstrategie erklärten Ziel vereinbar ist, Parallelstrukturen zu vermeiden, steht sprichwörtlich in den Sternen.

II. Ausgewählte Beschaffungsvorhaben

Vor diesem Hintergrund bieten sich für Start-Ups, Scale-Ups und KMU aus dem New Space-Bereich neue Chancen. Denn zum Aufbau einer nationalen Weltraumsicherheitsarchitektur will die Bundesregierung zahlreiche Leistungen der militärischen Raumfahrt beschaffen.

Schwerpunktmäßig soll die Fähigkeit auf- und ausgebaut werden, eigene nationale und europäische Weltrauminfrastrukturen selbständig zu betreiben und zu schützen. Die Bundeswehr soll hierfür eigene Einsätze im Weltall durchführen können, etwa mittels Raumgleiter oder besonderer Inspektions- und Wächtersatelliten.

Weiterhin soll durch den Erhalt, den Ausbau und die Stärkung eigener Fähigkeiten zur Weltraumaufklärung die nationale Handlungsfähigkeit bei strategischen und militärischen Entscheidungen gesichert und die Abhängigkeit von außereuropäischen Akteuren reduziert werden.

Mit dem Aufbau eines eigenen Sensornetzwerks mit globaler Abdeckung wird die Fähigkeit zur selbständigen Erstellung eines zivil-militärischen Weltraumlagebildes ausgebaut. Durch dieses Netzwerk an Sensoren soll die Bundesrepublik Deutschland im Bereich des EU Space Surveillance and Tracking (EU SST) weiterhin eine zentrale Rolle einnehmen. Die Weltraumlagerfassung und EU SST als Teil der Space Situational Awareness (SSA) sind integrale Bestandteile des Weltraumprogramms der Europäischen Union.

III. Maßgebliche Auftraggeber

Für die Auftragsvergaben sind aufgrund des Dual-Use-Charakters von Raumfahrtleistungen das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und die Deutsche Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) maßgeblich zuständig und arbeiten hierbei in enger Abstimmung zusammen.

Zudem beschaffen der Space Innovation Hub der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR, die Bundesagentur für Sprunginnovation (SPRIND) und die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit (Cyberagentur) Leistungen für innovative Lösungen im Bereich der Weltraumsicherheit.

IV. Fazit und Ausblick

Die Bundesregierung hat in ihrer Weltraumsicherheitsstrategie klare Handlungslinien entwickelt. Interessierte Unternehmen – insbesondere Start-ups, Scale-ups und KMU aus dem New Space-Bereich – können bereits jetzt die entsprechenden Weichen stellen und sich auf großvolumige Auftragsvergaben bis 2030 vorbereiten. Besonders profitieren Anbieter von Kleinsatelliten, Microlaunchern, Sensoren und KI-Anwendungen.